13/04/2026
Öffentlicher Brandbrief:
An
Friedrich Merz – Bundeskanzler –
Lars Klingbeil – Bundesminister der Finanzen –
Katherina Reiche – Bundesministerin für Wirtschaft und Energie –
Einen erschöpften guten Tag Herr Merz, Herr Klingbeil und Frau Reiche,
deshalb erschöpft, da ich mich seit Bekanntgabe Ihrer Beratungen in der Villa Borsig – am Rande, wie hoch sind eigentlich die Bewirtschaftungs- und Instandhaltungskosten? – erstmal an unseren Spirituosen Vorräten vergreifen musste. Im Nachgang durfte ich leider wieder erfahren, dass sich auch diese Einigung Ihrerseits nicht schön saufen lässt.
Wieder einmal wird eine zusätzliche Belastung für Arbeitgeber, 1.000,00 Euro steuerfrei, von Entscheider Seite als Geschenk und „Entlastung“ verkauft. Im Jahr 2023 hatten wir 38,3 Millionen Beschäftigte, wovon 18 % aller tätigen Personen in Kleinstunternehmen, weitere 20 % aller Beschäftigten in Kleinunternehmen und immerhin noch 16 % in mittleren Unternehmen arbeiteten. Dazu kommt noch eine Selbständigen Quote von 8,5 %, wer hält hier also bis jetzt das sinkende Schiff über Wasser? Die Insolvenzen in Deutschland haben 2025/2026 ein Rekordhoch seit über 20 Jahren, mit über 24.000 Unternehmenspleiten, erreicht. Ich hoffe, Ihnen hier keine Neuigkeiten nahe bringen zu müssen. Überobligatorische Kostensteigerungen können wir weder im Handel noch im Handwerk kostendeckend umlegen, da die Preisexplosionen der letzten Jahre schon die letztmögliche, den Kunden gegenüber vertretbarer, Marge aufgesaugt haben.
Und jetzt kommen Sie mit der innovativen Idee um die Ecke, dass wir Arbeitgeber in unsere klammen Taschen greifen sollen, um fröhlich Ihre weltweite Wohltätigkeits-Ausgabensucht zu kompensieren? Ich kann Sie zu dieser Entscheidung nur beglückwünschen. Das hat bekanntlich mit der Inflationsausgleichsprämie auch schon so wunderbar funktioniert. In voller Höhe hatten davon fast ausschließlich Beschäftigte in der öffentlichen Verwaltung, bei der Sozialversicherung und in der Verteidigung (na sowas?!) profitiert. Im Gegenzug hat es bei privatwirtschaftlich Tätigen zu unnötigen und zeitaufreibenden Gesprächen geführt. Verständlicherweise aus Sicht der Arbeitnehmer! Und unabhängig davon, dass viele kleinere Unternehmer versucht haben, zumindest einen Teil der Zahlungen freiwillig und auf eigene Kosten zu leisten.
Vielleicht wäre es an der Zeit, sich auch mal ehrlich zu machen und allen Bürgern in diesem ehemals prosperierenden Land klar und deutlich zu sagen, dass Sie den Mittelstand endlich beerdigen möchten. Dann hören wir alle auf zu arbeiten, wir selbsthaftenden Unternehmer sparen uns unsere Verantwortung (die wir bislang sowohl sozial wie auch monetär immer gerne wahrgenommen hatten) und lassen uns von Ihnen – also dem Staat, der nur unseretwegen die höchsten Steuereinnahmen aller Zeiten verzeichnen
darf – bezahlen. Ich freue mich über eine kurze Darlegung, wie Sie sich vorstellen, dieses Szenario finanzieren zu wollen. Vielen Dank.
Mit resignierten Grüßen
Judith Flora Schneider
- Geschäftsführende Gesellschafterin -