10/03/2022
Kopie meiner Tattooseite.
Bezüglich meines Posts von vorhin habe ich mich dazu entschieden meinen Spreadshop kurzfristig "inaktiv" zu setzen, um in die Produkte nach dem selben Grundprinzip und deren Vertretbarkeit für mich selbst zu erforschen.
Angehängt nochmal der Bezug zu meiner Entscheidung. (Ursprünge, Rohstoffe, Verarbeitung, Lieferketten etc.)
Ursprungstext:
Gedankendilemma. Manchmal hasse ich Kant, dass er den Kategorischen Imperativ als Handelsmaxime propagierte, also Gedanken in aller Konsequenz zu Ende zu führen und dann abzuwägen, ob die eigene Handlung vertretbar ist.
Aufgrund der derzeitigen Sanktionen und des sicherheitspolitischen Faktors "Energie" unterziehe ich mich selbst einer radikalen Konsumanalyse... zum Leidwesen meines Umfelds.
Ich komme immer wieder zur Frage: Was zum Teufel kaufe ich da eigentlich??
Am Ende dieser Frage steht meistens ein enormer Produktionsweg, tausende Arbeitsplätze, Energie und die Feststellung: Eigentlich nix von Gehalt.
Gut, meine heißgeliebten sauren, mit Zucker bestäuben Gummibären sind natürlich kein Grundnahrungsmittel, ließen mich also mehr in ein moralisches Dilemma verfallen.
Nehmen wir eine handelsübliche 200 g Packung der Delikatesse.
Hauptbestandteil Zucker, dann Gelatine oder Ersatzprodukte wie Agaragar, Wasser und Geschmacksextrakte. 200g in einer Plastiktüte für... lass mich lügen... 0,89 Euro, während ein Kilo günstiger Zucker circa im gleichen Preissegment liegt.
Für die Zuckergewinnung müssen Rohstoffe abgebaut werden. Daran hängen sowohl Erntekräfte, als auch Angestellte in der Verarbeitung, Buchhaltung, Verpackung, Logistik. Das Unternehmen hat Maschinen, die fallen nicht vom Himmel, sie wurden industriell gefertigt und sichern wieder Arbeitsplätze, solange im Sinne des Wachstums mehr Produktion gefordert wird.
Maschinen wollen gewartet werden. Arbeitsplätze und mehr Technik.
Wenn Gelatine (selbst als Nebenprodukt der Tierhaltung und Schlachtung stößt man anteilig auf die nächste Arbeit- und Kostenkette), Agar Agar und Geschmacksstoffe produziert und zugeliefert werden, dann wird die Kausalkette lang.
Rohstoffgewinnung: Technik, Energie und Arbeitsplätze.
Verarbeitung: Technik, Energie und Arbeitsplätze.
Zulieferung: Technik, Energie und Arbeitsplätze.
Wasser will gefördert werden und landet nicht nur im Bärchen, sondern auch in banalen Dingen wie Werksreinigungen, Kühlungen oder oder.
Zuletzt kommt die Herstellung des eigentlichen Produkts, dem Gummibär: Technik, Energie und Arbeitsplätze.
Im Anschluss werden meine kleinen bunten Seelentröster in ihre Behausung, eine bedruckte Plastiktüte, gepfercht.
Die Bestandteile für das Plastik mussten produziert werden, die Maschinen dafür gegeben sein, die Arbeitskräfte und und und. Die Drucktinte für das niedliche Layout (Stichwort Verpackungsdesign, Marketing, Bedürfniserweckung) plumpst nicht vom Himmel. Wieder Produktionsprozesse, Energie und Arbeitsplätze.
Bis der kleine saure Happen bei mir landet wird er verpackt, kartoniert, verladen. Er tritt eine Reise im LKW an. Weder LKW noch Fahrer fallen vom Himmel oder laufen mit Luft und Liebe.
Im Laden wird die Ware ausgepackt, verräumt und mir zu 0,89 Euro angeboten. Der Laden verbraucht Strom, Wasser, hat Personalkosten zu tragen, Versicherungen........
Jeder Produktionsschritt muss gewinnbringend, Wettbewerbsfähigkeit muss gegeben sein und Kleinigkeiten wie Steuern schwingen hier und dort auch noch mit.
Mein Ausgangspunkt war im Ursprung der naive Gedanke einfach Verpackungsmüll vermeiden zu wollen und meine gewohnte saure- Gummi-Zufuhr zu reduzieren.
Dann erreichte ich das Stadium, dass ich 200 g Zucker/Gelee Pampe in preislicher Relation zum reinen Zucker als völlig behämmert empfand.
Dann explodierte mir der Schädel angesichts der Frage wie viele Tonnen man produzieren und konsumieren muss, damit sich diese irrwitzige Wirtschaftskette rentiert, für ein Produkt, dass im Sinne seines Aufwands billiger erscheint als verflixtes Mehl und bei Überkonsum seines Hauptbestandteils auch noch schädlich ist.
.. Gestern gab es dann Steckrübensuppe...
um den Zwiespalt aus Konsumverpflichtung gegenüber dem Erhalt der Wirtschaft und der Sinnhaftigkeit eines Massenprodukts zu verdauen.
Dafür... dagegen.... oder Balance im Konsum?
Ich habe mich entschieden die nächsten 4 Wochen mein Kaufverhalten erneut auf die Probe zu stellen und zu erforschen........auch wenn ich irgendwann aus Frust und Unübersicht an nem Weidenzweig knabber.