31/05/2026
Im Islam bezeichnet die „Krankheit des Herzens“ (Marad al-Qalb) keine körperliche Herzbeschwerde, sondern einen spirituellen oder moralischen Zustand. Ein krankes Herz ist vom Glauben abgefallen, verhärtet oder von negativen Eigenschaften befallen, die den Menschen von Allah entfernen.
Ursachen und ErscheinungsformenIm Koran und der islamischen Überlieferung (Hadith) werden verschiedene geistige Krankheiten genannt, die das Herz befallen können:Heuchelei (Nifaq): Gespaltenheit, bei der jemand vorgibt, gläubig zu sein, aber innerlich ablehnend oder gleichgültig ist.Neid (Hasad): Dem anderen seine Segnungen missgönnen und sich wünschen, dass er sie verliert.Arroganz (Kibr): Sich über andere stellen und die Wahrheit ablehnen.Habgier und Geiz (Bukhul): Übermäßige materielle Anhänglichkeit.Zweifel und Unachtsamkeit (Ghaflah): Das Herz vergisst seinen Schöpfer und verliert die Verbindung zum Glauben.Das Konzept des „gesunden Herzens“Ein bekannter Ausspruch (Hadith) des Propheten Muhammad besagt: “Wahrlich, im Körper ist ein Stück Fleisch: Wenn es gesund ist, ist der gesamte Körper gesund, und wenn es krank ist, ist der gesamte Körper krank! Es ist das Herz!” Damit ist gemeint, dass die spirituelle Verfassung des Herzens alle Handlungen, Gedanken und den Charakter des Menschen bestimmt.Heilung des HerzensIm Islam gilt das Herz als reparabel. Die wichtigste Medizin für ein krankes Herz besteht in der inneren Reinigung (Tazkiyat an-Nafs) und der Rückkehr zu Gott:Dhikr: Das ständige Gedenken an Allah, um das Herz zu beleben.Reue (Tawba): Das aufrichtige Bereuen von Sünden und Fehlern.Qur’an-Rezitation: Das Lesen und Verstehen der heiligen Schriften als geistige Führung.Gute Taten: Die Ausübung von Barmherzigkeit und Demut gegenüber Mitmenschen.Islamische Gelehrte wie Ibn Taymiyyah haben sich in ihren Werken intensiv mit den spirituellen Behandlungen dieser Herzenskrankheiten auseinandergesetzt.