25/01/2026
Lesenswert.
Edeka inside. Heute: Wann nehmt ihr endlich Müller Milch (Fleischprodukte, Tabak, Alkohol) aus dem Sortiment?
Unsere Antwort: Wie bereits bekannt ist, verzichten wir schon seit einigen Jahren auf den Verkauf von Feuerwerksartikeln. Einerseits, weil unser Chef und auch die meisten unserer Mitarbeiter der Ansicht sind, dass es sich dabei um ein aus der Zeit gefallenes Brauchtum handelt, andererseits vor dem Hintergrund, dass diese Produkte im Supermarkt ein Randsortiment darstellen, das nicht unsere Kernkompetenz (Lebensmittel) abbildet, und mit dem beruhigenden Gefühl, dass jeder, der trotzdem solche Produkte kaufen möchte, immer noch genügend Anlaufstellen dafür hat (in unserem Fall ist die nächste Verkaufsstätte gerade mal dreißig Meter entfernt).
Trotz alledem führen wir aber immer noch einen Wirtschaftsbetrieb. Da gibt es Personal, das bezahlt werden will, und uns wurde gerüchteweise zugetragen, dass unser Chef immer wieder mal Rechnungen von Lieferanten und Dienstleistern in der Post hat, die ebenfalls bezahlt werden müssen.
Wie verhalten wir uns also bei Produkten, die ein durchschnittlicher Kunde in unseren Regalen erwarten würde, wenn er zufällig in unseren Markt käme? Wir können solche Produkte - quasi „Standardsortimente“ - nicht einfach aus den Regalen nehmen, ohne gleichzeitig unser gesamtes Geschäftsmodell zu ändern. Ein Supermarkt, der keine Ta******en verkauft? Undenkbar! Kein Alkohol? 80% unserer Kunden würden auf dem Stiefel kehrt machen. Zumindest, solange unseren Laden ein Edeka-Logo ziert.
Und Müller Milch? Wir denken gerade zurück an die 80er Jahre. Da gab es die Müller Buttermilch im Regal und ansonsten (fast) nichts, das von Theo Müller vertrieben wurde. In dieser Zeit hätte kaum ein Kunde dieses Produkt über die Maßen vermisst.
Heute? Mit Müller Milch, dem Joghurt mit der Ecke, Molkerei Weihenstephan, Sachsenmilch, Landliebe, Käserei Loose, Homann Soßen und Dressings und einer Vielzahl von Handelsmarken ist die Molkerei Müller nicht mehr wegzudenken. In einzelnen Segmenten beträgt der Marktanteil mehr als 30%. Müller ist mit knapp fünf Milliarden Euro Jahresumsatz einer der größten Molkereikonzerne der Welt. Kann ein Supermarkt auf einen so großen Hersteller verzichten? Nein, kann er nicht.
Und dann ist‘s ja mit Müller alleine nicht getan mit der Moral. In jedem Supermarkt finden sich unzählige Produkte, die moralisch fragwürdig sind: Der Demeter-Verband wurde von Rudolf Steiner gegründet, der mit seiner esoterischen Weltanschauung und rassistischen und antisemitischen Schriften in der Kritik steht. Der Schokoladenrohstoff Kakao wird vielfach von Kindersklaven geerntet. Fleisch kann niemals tierleidfrei produziert werden. Tabak und Alkohol sind für Millionen Tote verantwortlich (Nachtrag: Mit all diesen und noch mehr Themen werden wir von unseren Kunden - oft zu recht, manchmal zu unrecht - konfrontiert und müssen und wollen uns damit beschäftigen).
Wo also fangen wir - als Supermarkt - an, wo hören wir auf? Die Konsequenz moralischer Sortimentsgestaltung wäre, die Vertriebsform zu ändern und künftig als Reformhaus zu firmieren. Können wir aber nicht. Unsere sehr geschätzte Partnerschaft zu Edeka erlaubt ein solches Vertriebsmodell nicht.
Was tun wir? Wo es uns möglich ist, bieten wir moralisch wertige Alternativprodukte an. Die Schokoladen von „Tony‘s Chocolonely“ werden sklavenfrei produziert. In unserer Bedientheke findet ihr Biofleisch, und wer tierischen Produkten komplett abgeschworen hat, dem bieten wir eine gigantische Auswahl an veganen Alternativen. Als Supermarkt wird von uns erwartet, ein „Supermarktsortiment“ vorzuhalten, und das tun wir auch. Aber ZUSÄTZLICH erhaltet ihr bei uns ein Reformhaussortiment on top!
Und da kommt ihr ins Spiel. Denn ihr seid diejenigen, die mit dem Einkaufszettel abstimmen. Zeigt Konzernen wie Müller Milch, Nestlé und anderen die rote Karte! Wählt die Alternativen, die wir euch anbieten, oder verlangt bei uns im Markt nach Alternativen, die wir für euch bestellen werden! Was ihr kauft, davon zeigen wir mehr in unseren Regalen. Was ihr nicht mehr kauft, wird aus unseren Regalen verschwinden. Helft uns, die Supermarktwelt so zu gestalten, wie ihr sie gerne hättet! Lasst uns gemeinsam die Welt wieder ein bisschen besser machen 💛
Herzlichst, euer
Team Wollny