30/10/2024
Offener Brief von Michael Schnelle an die Mitglieder des Verbandsgemeinderates Arneburg-Goldbeck
Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,
in den letzten Wochen haben Sie sicher die leidenschaftlichen Diskussionen über das Freibad Werben verfolgt. Dieses Thema polarisiert und bewegt die Menschen im Norden unserer Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck wie kaum ein anderes. Es ist schwer, einen Ort zu finden, an dem nicht über das Freibad gesprochen wird – sei es bei Geburtstagsfeiern, in Geschäften oder in Gaststätten.
Warum berührt dieses Thema die Herzen der Menschen so stark? Die Antworten auf diese Frage sind tief in unserer Geschichte und unseren Gemeinschaften verwurzelt. Generationen von Vätern, Großvätern und Urgroßvätern haben nach dem Zweiten Weltkrieg in unermüdlichen Aufbaustunden diese Oase für ihre Kinder, Enkel und Urenkel geschaffen. Hunderte von Mädchen und Jungen haben hier das Schwimmen gelernt. Wo innerhalb unserer Gemeinden finden wir noch solche emotionalen Bindungen an eine so bedeutende Einrichtung? Das Freibad Werben ist genau dieser Ort.
Ein weiterer Aspekt, der nicht zu unterschätzen ist, ist die politische Dimension dieser Situation. Der Entschluss, dass das Freibad zu den Aufgaben der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck gehört, ist eng verbunden mit der Gebietsreform, die unsere Verbandsgemeinde prägte. Viele von Ihnen erinnern sich vielleicht an die damaligen Diskussionen, als es darum ging, welches Konstrukt für die Hansestadt Werben am vorteilhaftesten wäre. Auf dem Tisch lagen sowohl die Verbandsgemeinde Seehausen als auch Arneburg-Goldbeck. Rückblickend war Werben historisch betrachtet eher mit Seehausen verbunden.
Was jedoch den entscheidenden Vorteil für die Entscheidung zugunsten der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck gab, war die Zusicherung, das Freibad vertraglich zu sichern. Die Mitsprache und der Wille der Bevölkerung standen hier im Fokus. Ich erinnere mich noch gut an die beharrlichen Gespräche, die der damalige Bürgermeister und ich damals geführt haben. Wir haben den Bürgerwillen ernst genommen und die Unterstützung durch den damaligen Verwaltungsleiter Eike Trumpf war dabei von großer Bedeutung.
Für Arneburg war diese Entscheidung besonders wichtig, da man hier den Grundstein für ein Industriegebiet legte und Millionenbeträge investierte. Diese Entwicklung erforderte eine kompetente und flexible Verwaltung, die Verwaltungsgemeinschaft Arneburg-Goldbeck adäquat abbildete. Die ins Leben gerufene Vereinbarung verband somit das Schicksal des Freibades mit dem der Verbandsgemeinde – ein Triumph für die Bürger, die auf die Integrität der Politik in Werben zählen konnten.
Diese Vereinbarung ist rechtlich unanfechtbar, da die selbständigen Gemeinden in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr existieren. Dies verdeutlicht, dass es um mehr geht als nur um ein Schwimmbad. Es geht um die politische Verlässlichkeit, die Menschen in unsere Institutionen setzen.
Es ist für mich unverständlich, mit welcher Entschlossenheit einige Akteure, darunter Herr Schernikau und Herr Schulze, versuchen, die Wurzeln unserer Gemeinschaft zu beschädigen. Sie als Mitglieder des Verbandsgemeinderates stehen in der Verantwortung, diesen schädlichen Entwicklungen entgegenzutreten.
Sie haben die Macht und die Verantwortung zu entscheiden, wie es mit dem Freibad Weitergeht. Sie bestimmen über den Fortbestand und die Gestaltungsmöglichkeiten. Lassen Sie sich nicht von einem Verbandsgemeindebürgermeister unter Druck setzen. Es zeigt, dass es nicht an Wissen über Kommunalrecht mangelt, wenn jüngste Urteile des Oberverwaltungsgerichts in Magdeburg dies bestätigen.
Ich rufe Sie auf, als Zeichen Ihrer Verantwortung und zum respektvollen Miteinander, einen klaren Handlungsspielraum zu schaffen. Planen Sie zumindest den Lohn für einen Bademeister ein und gestalten Sie aktiv den Betrieb des Freibades Werben in Erinnerung an die Vereinbarungen, die für unsere Gemeinschaft so wichtig sind.
Lassen Sie uns gemeinsam an der Zukunft des Freibades arbeiten und sichern wir eine wichtige Institution für unsere Bürger – ein Ort, der generationsübergreifend verbindet und fördert.
Mit freundlichen Grüßen,
Michael Schnelle
Stadtrat der Hansestadt Werben
PS. Dieser Brief ist ein Aufruf zur Gemeinsamkeit und politischen Verantwortung in einer entscheidenden Zeit für das Freibad Werben.
Mit freundlichen Grüßen, aus der kleinsten Hansestadt der Welt
Michael Schnelle