Die Raumakten

Die Raumakten Die Raumakten. Wahre Fälle. Echtes Wissen zu Räumen, Feng Shui und Raumplanung. Klar, verständlich und ohne Esoterik.

„Als Malermeisterin und Feng-Shui-Expertin habe ich meine Leidenschaft für Farben und Handwerk schon früh entdeckt. Es war mir immer wichtig, Räume nicht nur ästhetisch, sondern auch energetisch in Einklang zu bringen. Als ich merkte, dass es kein adäquates Hilfsmittel in Form einer Farbkarte gab, das die Prinzipien des Feng Shui berücksichtigt, entschloss ich mich, selbst aktiv zu werden. 2016 ha

be ich die apprico® COLOURS entwickelt – eine einzigartige Farbpalette, die es jedem ermöglicht, die 5 Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser in Balance zu bringen. Meine Arbeit vereint traditionelle Handwerkstechniken mit den Prinzipien der asiatischen Harmonielehre. So entstehen individuelle, harmonische Lebensräume, die weit über das Oberflächliche hinausgehen. Ich bin überzeugt, dass Farbe eines der mächtigsten Gestaltungsmittel ist, um Wohlbefinden und Harmonie zu fördern – und das möchte ich auch anderen zugänglich machen, unabhängig von ihrer Feng-Shui-Erfahrung.

ANNA ARBEITET NICHT ALLEINMartin Brenner | Elektrotechnikermeister Anna kennt Martin von gemeinsamen Baustellen. Er ist ...
28/08/2026

ANNA ARBEITET NICHT ALLEIN

Martin Brenner | Elektrotechnikermeister

Anna kennt Martin von gemeinsamen Baustellen. Er ist Elektrotechnikermeister mit eigenem Betrieb und inzwischen jemand, mit dem sie besonders gern zusammenarbeitet.

Was sie an ihm schätzt: Er versteht schnell, was sie mit einer Idee erreichen möchte, und findet dafür eine technisch saubere Lösung. Gerade bei Licht ist das oft entscheidend, weil zwischen einer Vorstellung im Kopf und einer wirklich guten Umsetzung auf der Baustelle doch einiges liegt.

Anna ist immer wieder fasziniert, wie selbstverständlich Martin ihre Ideen aufgreift und in eine funktionierende Lösung übersetzt. Nicht laut, nicht spektakulär, sondern präzise und passend zum Raum.

Bei Raumakte Nr. 4 war das besonders wichtig. Der neue Behandlungsraum im Untergeschoss brauchte nicht einfach mehr Licht, sondern die richtige Lichtplanung. Tageslicht durch die Kellerfenster, eine ruhige Grundbeleuchtung, gutes Arbeitslicht und gezielt eingesetzte Leuchten, die dem Raum eine angenehme Stimmung geben.

Vor allem aber ging es auch um die Beleuchtung des großen Naturbildes. Denn dieses Bild war nicht bloß Dekoration, sondern ein wichtiger Teil des ganzen Raumkonzepts. Es sollte den fehlenden Blick ins Grüne auffangen, Tiefe in den Raum bringen und genau die Ruhe ausstrahlen, die Claudia für ihre Arbeit braucht. Damit das funktioniert, musste auch das Licht darauf abgestimmt sein.

Genau deshalb ist Martin einer der Menschen, die Anna gern dabeihat, wenn aus einer Planung Realität wird.

26/08/2026
Raumakte Nr. 4WENN DAS ZUHAUSE LEISE WERDEN MUSS„Eigentlich müsste ich zufrieden sein“, sagte Claudia am Telefon. „Meine...
24/08/2026

Raumakte Nr. 4

WENN DAS ZUHAUSE LEISE WERDEN MUSS

„Eigentlich müsste ich zufrieden sein“, sagte Claudia am Telefon. „Meine Selbstständigkeit läuft besser, als ich gedacht hätte. Aber bei uns zu Hause stimmt etwas nicht mehr.“

Claudia war Heilpraktikerin und hatte sich vor etwas mehr als einem Jahr selbstständig gemacht. Ihre Patienten behandelte sie im eigenen Haus. Die berufliche Nutzung war geklärt und angemeldet. Daran lag es nicht.

„Was stimmt denn nicht?“, fragte Anna.

„Ich weiß es nicht genau. Ich bin ständig müde und habe das Gefühl, nie richtig Feierabend zu haben. Mein Mann sagt inzwischen auch, dass sich bei uns etwas verändert hat.“

„Seit wann?“

Sie überlegte. „Eigentlich seit ich angefangen habe, zu Hause zu arbeiten.“

Zwei Tage später stand Anna in ihrem Wohnzimmer. Mitten im Raum eine Behandlungsliege, daneben ein Rollwagen mit Tüchern und Arbeitsmaterial. Das Sofa war ein Stück zur Seite gerückt worden. Ein Paravent sorgte dafür, dass Claudia ihren Patienten während der Behandlung etwas Privatsphäre bieten konnte. Durch die großen Fenster ging der Blick direkt in den Garten.

Alles war tadellos aufgeräumt. Kein Spielzeug, keine herumliegenden Jacken, keine Zeitschriften, nicht einmal eine Tasse auf dem Couchtisch. Es sah aus wie ein Wohnzimmer aus dem Katalog. Oder wie bei Menschen, die Besuch von jemandem ganz Wichtigem erwarten und vorher noch schnell alles verschwinden lassen, was nach Alltag aussieht.

Nur war das hier jeden Tag so.

„Die Liege räume ich abends normalerweise weg“, sagte Claudia.
Anna sah sie an. „Na ja. Ich klappe sie zusammen.“ „Und dann?“
Sie zeigte auf die Ecke neben dem Schrank. „Dann steht sie dort. Der Paravent auch.“

Auf dem Esstisch lagen Laptop, Terminkalender und Patientenunterlagen. „Mein Büro“, sagte sie. „Einen Schreibtisch habe ich nicht.“

Am Anfang war das alles praktisch gewesen. Keine zusätzliche Miete, kurze Wege und kaum Investitionen. Inzwischen behandelte Claudia zwei bis drei Patienten am Tag und nahm sich für jeden ungefähr anderthalb Stunden Zeit. Damit war das Wohnzimmer an vielen Tagen über Stunden kein Wohnzimmer mehr.

Die Haustür ging auf. Ein Junge kam herein, vielleicht zwölf, hinter ihm ein zweiter mit einem Rucksack über der Schulter.

„Mama, wir wollten nachher noch …“ Er sah mich, dann die Behandlungsliege. „Hast Du gleich jemanden?“

„Um halb drei.“ Der andere Junge blieb im Flur stehen. „Dann gehen wir zu mir.“ „Ja, besser.“

Die beiden drehten wieder um. Claudia sah ihnen nach.

„Macht er das öfter?“, fragte Anna

„Was?“

„Wieder gehen.“

Claudia antwortete nicht gleich. „Früher waren ständig Kinder hier.“

Auch ihre jüngere Tochter ging inzwischen automatisch nach oben, sobald fremde Schuhe im Flur standen. Während der Behandlungen gab es unten keinen Fernseher, keine Musik und möglichst wenig Geräusche aus der Küche.

„Am Anfang habe ich ihnen immer gesagt, wann jemand kommt“, sagte Claudia. „Damit sie sich darauf einstellen können. Irgendwann musste ich gar nichts mehr sagen.“

„Weil sie es gelernt haben.“

Claudia setzte sich auf die Sofakante. „Das klingt furchtbar.“

„Es funktioniert nur schon viel zu lange.“

Jetzt verstand Anna auch dieses perfekte Wohnzimmer. Es war nicht deshalb so ordentlich, weil hier niemand lebte. Hier durfte nur immer weniger davon zu sehen sein.

Trotzdem verstand Anna, warum Claudia gerade diesen Raum für ihre Arbeit gewählt hatte. Er war hell, großzügig und der Blick in den Garten tat gut. Ihre Patienten kamen mit Beschwerden, Sorgen und persönlichen Geschichten. Claudia hörte zu, behandelte und begleitete. Dafür war ein ruhiger, geschützter Raum wichtig.

Nur war dieser geschützte Raum vorher der ihrer Familie gewesen.

Claudias Mann kam später dazu. Er erzählte, dass er inzwischen auch schon beim Aufschließen der Haustür auf die Schuhe im Flur schaute. „Wenn da welche stehen, weiß ich Bescheid. Dann gehe ich meistens gleich in die Küche oder nach oben.“

„Stört Sie die Praxis?“, fragte Anna ihn. „Nein. Ich wollte sogar, dass Claudia das macht. Ich war derjenige, der gesagt hat, sie soll erst einmal hier anfangen und sich die Miete sparen.“ Er sah ins Wohnzimmer. „Aber inzwischen wohnen wir irgendwie um ihre Arbeit herum.“ Auch der Esstisch gehörte längst teilweise zur Praxis. Termine, Dokumentation und Abrechnung erledigte Claudia dort zwischen Familienalltag und Abendessen.

„Aber eine eigene Praxis irgendwo kann ich mir im Moment nicht leisten“, sagte sie.

„Vielleicht brauchen Sie keine.“

Anna bat die beiden, ihr das ganze Haus zu zeigen. „Auch den Keller?“, fragte Claudia. „Unbedingt.“

Das Untergeschoss war ausgebaut und trocken. Der größere Raum hatte eine gute Höhe, Kellerfenster mit Tageslicht und eine vorhandene Heizung. Ein WC lag direkt daneben. Vom Garten führte eine Außentreppe zu einer separaten Kellertür. Auch vom Wohnbereich aus gelangte man über eine Treppe nach unten, die sich oben mit einer Tür vollständig schließen ließ. Akustisch war das ein großer Vorteil. Wohnbereich und künftige Praxis konnten tatsächlich voneinander getrennt werden.

„Warum sind Sie nicht gleich hierhergegangen?“, fragte Anna.
Claudia sah sich um. „Weil es oben einfach schöner ist.“
Damit hatte sie recht. Die Liege einfach nach unten zu tragen, hätte das Problem nicht gelöst.

„Dann müssen wir hier unten eine Praxis schaffen, in der Sie genauso gerne arbeiten.“

Für die Umsetzung kamen Thomas Seidel und Leonie Hartmann dazu. Thomas prüfte Heizung, Wasser und Sanitär. Ein Waschbecken im Behandlungsraum ließ sich mit kurzen Leitungswegen einbauen, auch das vorhandene WC konnte mit wenig Aufwand angepasst werden.

Leonie sah sich im Raum um. „Wo ziehen sich Ihre Patienten eigentlich um?“ Claudia zeigte nach oben. „Im Wohnzimmer. Deshalb habe ich dort auch den Paravent.“ Damit war der nächste Punkt geklärt.

Im Untergeschoss planten wir neben dem Behandlungsbereich eine kleine Umkleide. Dazu geschlossene Einbauten für Handtücher, Arbeitsmaterialien und alles, was Claudia für ihre Behandlungen brauchte. Außerdem bekam sie endlich einen eigenen Schreibtisch für Termine, Dokumentation und Abrechnung.

„Mir fehlt trotzdem mein Garten“, sagte sie.

Genau deshalb bekam eine der großen Wandflächen ein großformatiges Naturbild mit viel Tiefe. Tageslicht kam durch die Kellerfenster, aber der freie Blick ins Grüne von oben fehlte. Diesen Naturbezug wollte Anna nicht verlieren. Dazu plante sie mehrere Lichtquellen und eine gute Beleuchtung des Behandlungsbereichs.

Streichen wollten Claudia und ihr Mann selbst. Anna legte dafür ein angenehmes, helles Grün fest. Das Element Holz war für Claudia besonders unterstützend, deshalb sollte es im neuen Praxisraum ganz bewusst stärker vertreten sein. Der Farbton und das große Naturmotiv griffen dieses Element auf, während die Einbauten und der Schreibtisch in hellem Holz den Raum ruhig und klar hielten und das Element Erde einbrachten.

Draußen fehlte noch die klare Führung für die Patienten. Bisher parkten sie an der Straße oder vor der Garage und klingelten an der Haustür. Auf dem Grundstück war Platz für einen festen Besucherparkplatz. Von dort führte der Weg durch den Garten direkt zur Außentreppe und zum Praxiseingang. Eine eindeutige Beschilderung zeigte künftig den Weg. Niemand musste mehr durch das Wohnhaus.

Einige Wochen später kam Anna wieder. Schon draußen war klar, wo die Praxis begann: Besucherparkplatz, Beschilderung, Weg zum separaten Eingang.

Unten war aus dem Abstellraum eine kleine Praxis geworden. Tageslicht fiel durch die Kellerfenster, das große Naturbild öffnete den Raum und Leonies Einbauten nahmen Arbeitsmaterialien und Unterlagen auf. Es gab eine kleine Umkleide und Claudia hatte ihren eigenen Schreibtisch.

„Und?“, fragte Anna. „Immer noch das Gefühl, nie Feierabend zu haben?“

Claudia schüttelte den Kopf. „Ich mache meine Unterlagen fertig, schließe hier ab und gehe nach oben. Das ist ein riesiger Unterschied.“

Sie gingen gemeinsam die Treppe hoch. Claudia schloss oben die Tür zum Untergeschoss hinter ihnen. Im Wohnzimmer saßen ihr Sohn und der Junge, der bei Annas erstem Besuch wieder gegangen war. Ihre Rucksäcke lagen auf dem Boden, auf dem Tisch standen zwei Gläser und eine offene Tüte Chips. Die beiden redeten durcheinander und lachten. Durch die geschlossene Tür zum Untergeschoss drang davon nichts nach unten.

Claudia ging an ihnen vorbei in die Küche und machte uns einen Kaffee.

DIE RAUMAKTE IN KÜRZE

Problem
Heilpraktikerpraxis im Wohnzimmer. Zwei bis drei Patienten täglich, Büroarbeit am Esstisch und keine klare Trennung zwischen Praxis und Familienleben. Dadurch kommen regelmäßig fremde Themen und Energien mitten in den privaten Rückzugsraum der Familie.

Auffällig
Das Wohnzimmer wirkt perfekt aufgeräumt, aber nicht mehr bewohnt. Patienten kommen mit Beschwerden, Sorgen und sehr persönlichen Themen. Das ist etwas anderes als Freunde oder Besuch, die bewusst zum privaten Leben dazugehören. Diese fremde Energie mischt sich täglich mit der Familienenergie. Gleichzeitig werden die Kinder leiser, bringen kaum noch Freunde mit und der Mann weicht aus.

Lösung
Praxis ins ausgebaute Untergeschoss verlegen. Eigener Zugang, Besucherparkplatz, Beschilderung, Umkleide, Waschbecken, WC, geschlossener Stauraum und eigener Schreibtisch. Ein großformatiges Naturbild bringt den fehlenden Gartenbezug in den Raum. Der helle Grünton und der Naturbezug stärken gezielt das Element Holz, das Claudia besonders unterstützt. Die geschlossene Tür zum Wohnbereich sorgt zusätzlich für die notwendige akustische Trennung.

Ergebnis
Die Patienten bleiben mit ihren Themen und ihrer Energie im Praxisbereich. Claudia kann nach der Arbeit abschließen und wirklich Feierabend machen. Wohnzimmer und Esstisch gehören wieder der Familie und die Familienenergie bekommt ihren geschützten Raum zurück. Es darf wieder das Leben stattfinden, das vorher Stück für Stück verschwunden war.

Raumakte Nr. 4. Morgen.
23/08/2026

Raumakte Nr. 4. Morgen.

ANNA ARBEITET NICHT ALLEINProfessor Dr. Johannes FalkenbergJohannes kenne ich inzwischen seit ungefähr 15 Jahren. Und ne...
21/08/2026

ANNA ARBEITET NICHT ALLEIN

Professor Dr. Johannes Falkenberg

Johannes kenne ich inzwischen seit ungefähr 15 Jahren. Und nein, wir waren uns bei unserer ersten Begegnung nicht sofort einig.

Wir standen damals bei einem Bauprojekt über einem Grundriss und diskutierten über einen Bereich des Hauses, den wir beide problematisch fanden. Nur aus völlig unterschiedlichen Gründen. Johannes argumentierte als Architekt, ich kam aus dem Feng Shui und aus dem Handwerk. Irgendwann merkten wir, dass wir eigentlich über dasselbe Problem sprachen. Nur in zwei verschiedenen Sprachen.

Das war der Anfang.

Professor Dr. Johannes Falkenberg ist heute 68, Architekt und Geomant und einer der Menschen, deren Meinung ich hören möchte, wenn ein Fall ungewöhnlich oder besonders komplex wird.

Nicht, weil ich selbst keine Grundrisse lesen kann. Ganz im Gegenteil. Aber Johannes sieht manches aus einer anderen Perspektive als ich. Er schaut auf die Architektur, die Proportionen, die Wege durch ein Gebäude, auf das Grundstück und seine Umgebung. Ich komme häufig stärker vom Menschen und seiner tatsächlichen Nutzung der Räume.

Und manchmal widersprechen wir uns auch heute noch.

Das ist einer der Gründe, warum ich so gern mit ihm arbeite.

Bei Sabine und ihrem Haus voller Elefanten war Johannes übrigens nicht dabei. Aber ein Haus, bei dem ausgerechnet im Südwesten innen und außen ein großer Bereich fehlt, wäre durchaus etwas, worüber wir uns bei einem Kaffee und einem ausgebreiteten Grundriss länger unterhalten könnten.

Denn ein Grundriss zeigt nicht nur, wo eine Wand steht.
Manchmal zeigt er ziemlich deutlich, was in einem Haus keinen Platz bekommen hat.

Anna Falk

Raumakte Nr. 3DAS HAUS DER ELEFANTEN„Frau Falk?“ Anna drehte sich um. Eine dunkelhaarige Frau um die fünfzig kam ihr übe...
17/08/2026

Raumakte Nr. 3
DAS HAUS DER ELEFANTEN

„Frau Falk?“ Anna drehte sich um. Eine dunkelhaarige Frau um die fünfzig kam ihr über den gepflasterten Weg entgegen und streckte ihr die Hand hin. „Sabine Reinhard. Schön, dass Sie da sind.“ Gemeinsam gingen sie zur Haustür. Links und rechts neben dem Eingang stand jeweils ein großer Elefant aus Stein. „Die beiden passen auf das Haus auf“, sagte Sabine und schloss auf. Anna nickte.

In der Diele stellte Anna ihre alte Ledertasche ab und schaute sich um. Der Raum war groß, hell und aufgeräumt, mit glattem Steinboden, weißen Wänden und einer offenen Treppe. Auf einer schmalen Konsole stand ein Elefant aus dunklem Holz.

„Meine neue Friseurin hat mir von Ihnen erzählt“, begann Sabine, während sie vorausging. „Sie haben ihren Salon umgestaltet.“ Sie nannte den Namen, und Anna nickte. „Ja, natürlich.“ „Ich war gleich beim ersten Besuch begeistert. Es fühlt sich alles darin ruhig und leicht an. Ich habe mich so wohlgefühlt. Seitdem denke ich, so etwas könnte ich bei mir auch gebrauchen.“

„Worum geht es genau?“

„Um mein Arbeitszimmer.“

Das kleinere der beiden Arbeitszimmer lag zur Straßenseite. Es war ordentlich und hochwertig eingerichtet, wirkte aber eng. Ein dunkler Schreibtisch stand an der Wand, daneben Aktenschränke und Regale. Das einzige Fenster war nicht besonders groß. „Hier arbeite ich zwei Tage in der Woche“, erklärte Sabine. „Die anderen Tage bin ich in der Kanzlei.“

Anna ließ den Blick durch den Raum gehen. „Was stört Sie?“ „Eigentlich alles ein bisschen. Es ist dunkel, eng und ich sitze einfach nicht mehr gern hier.“ Sabine öffnete die Tür zum Nachbarzimmer. Der Unterschied war sofort spürbar. Zwei große Fenster gingen zum Garten, der Raum war fast doppelt so groß und deutlich heller. Auf dem Schreibtisch standen eine alte Leuchte und ein leerer Stifthalter. Einige Ordner lagen im Regal, auf der Fensterbank drei kleine Elefanten.

„Das ist das Arbeitszimmer meines Mannes.“ „Arbeitet er hier?“ „Schon seit Jahren nicht mehr.“ Sabine ging zum Fenster. „Wir sind beide Rechtsanwälte. Als wir das Haus gebaut haben, dachten wir, wir würden regelmäßig von zu Hause arbeiten. Michael hat den größeren Raum genommen, ich den kleineren.“

„Und jetzt möchten Sie tauschen.“

„Nach zehn Jahren darf ich das vielleicht.“ Sie lächelte, doch Anna hörte, dass der Satz nicht nur scherzhaft gemeint war.

„Darf ich mir vorher das ganze Haus ansehen?“

„Natürlich. Aber eigentlich geht es wirklich nur um die beiden Zimmer.“

Im Flur hing ein großes Bild mit einer Elefantenherde. Im Gästezimmer stand eine Figur auf dem Nachttisch, in der kleinen Bibliothek hielten zwei bronzene Elefanten die Bücher im Regal zusammen.

„Nutzen Sie die Bibliothek oft?“ „Nicht wirklich.“

Im ersten Bad stand ein Elefant als Kerzenhalter, im zweiten saßen zwei kleine Figuren auf dem Fenstersims. Im Gäste-WC blieb Anna vor dem Toilettendeckel stehen. Auch dort Elefanten. Sabine folgte ihrem Blick. „Der ist schlimm, oder?“ „Er fällt auf.“ „Ich weiß gar nicht mehr, warum ich den gekauft habe.“

„Den Gedanken hat vermutlich jeder schon einmal nach einem Einkauf gehabt.“ Anna lächelte.

Unten öffnete sich das Haus in einen großen Wohnbereich. Küche, Esszimmer und Wohnzimmer gingen ineinander über. Die Möbel waren geradlinig und dunkel, die Böden glatt, die Fensterflächen groß. Jeder Schritt war zu hören. Auf dem Kamin standen vier Elefanten, zwei weitere auf dem Sideboard. Einer diente als Blumentopf, ein anderer trug eine Kerze. Auf dem Couchtisch stand eine Figur aus Glas.

Anna ging zum Fenster und sah in den Garten. Das Grundstück war groß und gepflegt, hinter der Garage zog es sich noch weit um das Haus herum.

„Wie viele Menschen leben hier?“ „Zwei.“ Anna sah auf den langen Esstisch mit acht Stühlen. „Und unter der Woche?“ Sabine schwieg kurz. „Nur ich.“ „Keine Kinder?“ „Nein. Wir wollten beide keine.“ „Dann haben Sie sehr großzügig für zwei gebaut.“

„Das haben wir. Damals fanden wir das großartig.“

Sabine bot Kaffee an. Wenig später saßen sie sich auf der dunkelbraunen Ledercouch gegenüber, zwischen ihnen der gläserne Elefant. „Wo ist Ihr Mann unter der Woche?“ „Dreihundertfünfzig Kilometer entfernt.“ „Seit wann?“ „Fast zehn Jahre. Ein halbes Jahr nach unserem Einzug bekam Michael eine Führungsposition angeboten. Das war eine große Chance. Wir dachten, er macht das zwei oder drei Jahre.“

„Und daraus wurden zehn.“

Sabine nickte. „Er hat sich dort ein kleines Apartment genommen. Ich bin hiergeblieben. Meine Kanzlei ist im Ort, meine Kollegen sind hier. Ich konnte nicht einfach alles aufgeben.“ „Wann kommt er nach Hause?“ „Freitags.“ Anna wartete. Sabine sah in ihre Tasse. „Früher jedenfalls. Heute oft erst samstags. Manchmal gar nicht. Es ist immer irgendetwas, eine Besprechung, ein Geschäftsessen, zu viel Verkehr. Oder er sagt, für einen Tag lohne sich die Fahrt nicht.“ Sie strich mit dem Finger über den Tassenrand.

„Wie leben Sie hier unter der Woche?“ „Ich arbeite viel. Danach kümmere ich mich um das Haus, den Garten und alles, was anfällt.“ „Und wie geht es Ihnen damit?“ „Ich komme zurecht.“

Anna nickte. „Das glaube ich Ihnen. Aber ich habe nicht gefragt, ob Sie zurechtkommen.“ Für einen Moment sagte keine von beiden etwas.

„Man gewöhnt sich an vieles“, sagte Sabine leise. „Auch an Einsamkeit?“ Sabine sah zum Fenster. Dann glänzten ihre Augen verdächtig. „Entschuldigung. Ich wollte doch wirklich nur mein Arbeitszimmer verändern.“

„Vielleicht war das der Anlass. Aber vielleicht ist es nicht das Einzige, was wir uns ansehen sollten.“

Sabine wischte sich über die Wangen. „Das klingt jetzt ziemlich ernst.“ „Es ist erst einmal nur ein Gespräch.“ Anna sah auf den Elefanten auf den Couchtisch. „Seit wann sammeln Sie Elefanten?“

„Schon lange.“ „Wie lange ungefähr?“ Sabine überlegte. „Neun Jahre vielleicht.“ Anna sagte nichts.

Sabine sah sie an. „Das ist fast genau die Zeit, seit Michael weg ist.“

„Sind das Reiseerinnerungen?“

„Nur ein paar. Vier oder fünf vielleicht. Die meisten habe ich einfach gekauft. Auf Märkten, in Geschäften, im Urlaub. Als Blumentopf, Kerzenhalter oder Figur.“ Dann sah sie sich im Wohnzimmer um, als sähe sie es zum ersten Mal. „Es sind wirklich viele.“

„Sie sehen sie nicht mehr?“

„Offenbar nicht.“

„Das passiert fast jedem im eigenen zuhause sagte Anna.

Im Schlafzimmer war es nicht anders. Elefanten in jeder Form. Ein gerahmtes Hochzeitsfoto stand im Rahmen daneben. Kaum wahrnehmbar. Sabine und Michael standen darauf dicht nebeneinander und lachten in die Kamera.

„Das ist lange her“, sagte Sabine. „Achtzehn Jahre.“

Anna betrachtete das Foto und dann Sabine. Sie war auch damals keine zierliche Frau gewesen, aber sie wirkte beweglich und leicht. Heute war ihr Oberkörper kaum verändert, ihre Beine dagegen kräftig und schwer geworden. Anna sagte nichts dazu.

Im Garten zeigte Sabine ihr die Terrasse, den Bereich hinter der Garage und den dunklen Streifen an der Grundstücksgrenze. „Hier hinten machen wir eigentlich nichts.“ Das Grundstück sprang an dieser Stelle weit zurück. Auch im Haus selbst fehlte dort ein großer Teil.

Später breitete Anna den Grundriss auf dem Esstisch aus. „Hier fehlt dem Haus ein großer Bereich im Südwesten.“

„Ist das schlimm?“

„Ich arbeite nicht gern mit solchen Wörtern. Aber es ist deutlich. Der Südwesten steht im Feng Shui unter anderem für die Frau des Hauses und für die Partnerschaft. Bei Ihnen fehlt dieser Bereich innen und außen.“

Sabine sah sie an. „Und deshalb lebt mein Mann dreihundertfünfzig Kilometer entfernt?“ „Nein. So einfach ist es nicht. Ihr Mann hat eine berufliche Entscheidung getroffen. Aber ein Haus kann unterstützen, was wir leben, oder verstärken, was ohnehin schon da ist.“

„Und was verstärkt dieses Haus?“ „Dass Sie hier allein alles tragen. Dass Ihre Partnerschaft kaum noch im Alltag stattfindet. Und dass ausgerechnet der Bereich fehlt, der für Sie als Frau und für das gemeinsame Leben steht.“

Sabine sah wieder auf den Plan. „Und die Elefanten?“ „Die Elefanten sind nicht das Problem. Sie erzählen etwas. Sie stehen für Kraft, Ausdauer, Treue und Verlässlichkeit. Genau das haben Sie in den letzten Jahren gebraucht. Sie haben dieses Haus allein gehalten, den Garten, den Alltag und Ihre Arbeit. Sie haben gewartet und funktioniert.“ Sabine schwieg. „Nur braucht ein Mensch nicht immer noch mehr Stärke. Irgendwann braucht er auch Leichtigkeit.“ Sabine sah kurz auf ihre kräftigen Beine und dann wieder hoch. „Das ist schon etwas unheimlich.“ „Nein. Nur sichtbar.“

Aus dem geplanten Tausch der beiden Arbeitszimmer wurde ein größeres Projekt. Sabine bekam den hellen Raum mit Blick in den Garten. Der Schreibtisch wurde so gestellt, dass sie nicht mehr mit dem Rücken zur Tür saß und der Raum mit Farben gestaltet, die zu ihr passten.

Das kleinere Zimmer wurde für Michael neu eingerichtet, damit auch er zu Hause wieder einen eigenen, tatsächlich nutzbaren Platz hatte.

„Also werfen wir ihn nicht aus seinem Büro?“

„Nein. Wir holen Sie aus Ihrem kleinen heraus.“

Im restlichen Haus verbesserten Teppiche die Akustik, Gardinen nahmen den großen Fensterflächen ihre Härte, weichere Materialien und passende Farben brachten mehr Yin-Energie in die stark Yang geprägten Räume.

Das Schlafzimmer wurde vollständig neu geplant. Das alte Bett wurde ersetzt, die Elefanten verschwanden.

„Keiner darf bleiben?“ „Nicht hier.“ „Warum?“ „Weil dieses Schlafzimmer nicht noch mehr Stärke braucht.“

Auch der fehlende Südwesten wurde innen und außen ausgeglichen. Im Haus geschah das mit Licht, Farbe und einer klaren Gestaltung, im Garten wurde der bisher dunkle Bereich bewusst einbezogen und beleuchtet.

Die Elefanten wurden nicht entsorgt. Sabine wählte die Stücke aus, die ihr wirklich etwas bedeuteten. Sie bekamen einen neuen Platz in einem der kaum genutzten Zimmer. „Ein Elefantenmuseum“, sagte Sabine.

„So sieht es wenigstens nach einer Sammlung aus und nicht mehr nach einer Übernahme.“ bemerkte Anna bei ihrem abschließenden Besuch.

DIE RAUMAKTE IN KÜRZE

Problem: Kleines Arbeitszimmer, kaum gelebte Partnerschaft, fehlender Südwesten und ein stark Yang geprägtes Haus.

Auffällig: Elefanten in fast jedem Raum. Kraft, Ausdauer und Verlässlichkeit prägen das ganze Haus.

Lösung: Arbeitszimmer tauschen, mehr Yin ins Haus bringen, Schlafzimmer neu gestalten und den fehlenden Südwesten innen und außen ausgleichen.

Ergebnis: Sabine bekommt nicht nur einen besseren Arbeitsplatz. Im Haus entsteht wieder mehr Raum und Leichtigkeit für sie selbst und für das gemeinsame Leben.

Raumakte Nr. 3. Morgen.
16/08/2026

Raumakte Nr. 3. Morgen.

ANNA ARBEITET NICHT ALLEIN.Leonie und ich stehen manchmal gemeinsam auf der Bühne. Und obwohl wir über dieselben Räume s...
14/08/2026

ANNA ARBEITET NICHT ALLEIN.

Leonie und ich stehen manchmal gemeinsam auf der Bühne. Und obwohl wir über dieselben Räume sprechen, schauen wir auf ganz unterschiedliche Dinge.

Ich betrachte den Raum als Ganzes.

Leonie hat eine eigene Schreinerei. Sie schaut auf Holz, Konstruktionen, Einbauten und darauf, was sich handwerklich wirklich umsetzen lässt. Sie weiß, wie aus einer Idee eine saubere Lösung wird.

Bei Raumakte 2 war sie diejenige, die Robert auf mich aufmerksam gemacht hat. Sie kannte ihn von der Innungsversammlung und wusste, dass seine Schreinerei gut läuft. Trotzdem hatte sie im Gespräch gespürt, dass hinter seinem Problem mit den Mitarbeitern mehr stecken könnte als eine reine Führungsfrage.

Vielleicht auch deshalb, weil sie meine Arbeit inzwischen kennt und weiß, dass Räume manchmal etwas sichtbar machen, worüber Menschen zunächst ganz anders sprechen.

Genau deshalb arbeite ich so gerne mit Leonie zusammen.

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